Oh my little guru

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Quelle: Nicole

Im Yoga gibt es das Guru-Prinzip, was nicht heißen soll, dass man blindlings einem Guru hinterher läuft. Guru bedeutet Lehrer und dies nicht immer im Sinne einer Person. Vielmehr geht es darum Ereignisse, Erlebnisse, Menschen, Situationen, alltägliche Begegnungen als Lehrer anzunehmen, aus Ihnen zu lernen.

Das Leben gibt uns in jedem Moment den richtigen Lehrer, sei es das nervige Moskito, die rote Ampel oder eine Krankheit. Auch all die positiven Dinge, die kleinen Dinge, die uns jeden Tag widerfahren, können unsere Lehrer sein.

Jede schwierige Situation im Leben gibt uns die Möglichkeit, an ihr zu wachsen. Wir haben immer mehrere Möglichkeiten mit schwierigen Situationen umzugehen. Man kann aufgeben und sich verlieren, sei es in Selbstmitleid oder anderen destruktiven Verhaltensweisen, oder man nutzt diese Herausforderung und findet so ein Stückchen mehr innere Stärke und wächst.

Im Mai diesen Jahres ist mein bisher größter Guru zu mir gekommen, meine kleine Tochter. Was kann ich von ihr lernen? So unsagbar viel über das Leben.

Für meine kleine Tochter gibt es nur das Hier und Jetzt. Ich habe jetzt Hunger. Ich möchte jetzt getragen werden. Ich brauche dich jetzt in diesem Moment. Es gibt kein gestern und kein morgen. Wir leben in dem Moment und nur der ist wichtig.

Meine kleiner Guru lehrt mich bedingungslos zu lieben. Es ist leicht sein Kind zu lieben, wenn es selig schlafend vor dir liegt. Es ist leicht sein Kind zu lieben, wenn es dich voller Freude anstrahlt. Doch Liebe und Verständnis zu zeigen in den schwierigen Situationen, ist eine große Herausforderung. Der Satz „Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am meisten“ (unbekannt) beschreibt sehr schön eine der Herausforderungen, der mich mein kleiner Guru täglich stellt.

Meine Tochter zeigt mir meine (neuen) Grenzen auf und zeigt mir, dass ich so viel weitergehen kann, als ich es mir vorher zugetraut hätte. Auf meiner Yogamatte wäre ich schon längst aus der Asana heraus gegangen, wenn mir meine Arme so weh getan hätten, wie wenn ich sie Stunde für Stunde trage. Aber sie zeigt mir wie viel Kraft ich wirklich habe – unendlich viel, wenn es sein muss.

Vielleicht eine der wichtigsten Aufgaben als ihre Mutter ist es, ihr Urvertrauen aufzubauen. Ihr Vertrauen in die Menschen und in diese Welt. Damit mir dies gelingt, muss ich mich immer wieder emphatisch in ihre Lage versetzen, was manchmal gar nicht so einfach ist. Sie fordert mein Mitgefühl heraus, Tag für Tag.

Und bei all den großen und kleinen Aufgaben, die mein kleiner Guru mir täglich stellt, darf ich nicht vergessen, dass mein Kind nur glücklich sein kann, wenn ich es auch bin. Neben all der Fürsorge für sie, gibt es auch noch mich und meine Bedürfnisse. Dass auch ich ein souveränes Wesen mit Bedürfnissen bin, ist wichtig für sie zu erfahren. Für ein  Kind ist es wichtig zu erfahren, dass die Mutter sich selber wertschätzt , nur so können alle glücklich werden.

Im Moment ist deine Kindheit mein Alltag. Das wird nicht immer so sein. Deswegen versuche ich jeden Tag zu geniessen und mit dir zu wachsen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es Dich gibt.

Ich verneige mich vor Dir,

Oh my little guru

 

 

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  1. Liebe Nicole,
    Danke dir für diesen herzerwärmenden einfühlsamen Text und diese liebevoll ausgesuchten Worte! Du bist bestimmt eine wundervolle Mutter – und so wie dein Kind – fühl auch Du Dich getragen, gehalten & geborgen …. sollte in dem ein oder anderen Moment deine ganze Stärke gefordert sein!
    Ich wünsche Dir, der Kleinen und Euch als Familie alles Liebe*
    Sonja

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